Bis jetzt hatten wir ja nur im Klettergarten geklettert. Das ging ja gar nicht. Richtiger «Blueys-Stile» ist abseilen und dann schauen, wie frau wieder hochkommt. Zuerst allerdings ganz gemütlich mit drei Seillängen am Pulpit Rock. Eine Wand mit Morgensonne, also war früh aufstehen angesagt, den Rachel wollte endlich wieder mal warm haben beim Klettern. Ihre Füsse hatten sich ja am Vorabend nur dank Gabys Petwärmeflaschentrick wieder von ihrem Eiszapfendasein erholt.
Zielsicher brachten wir die 300 Meter Zustieg hinter uns und fanden auch die richtige Abseilstelle. Und die zweite auch. Nur ging es da mit dem Seilabziehen etwas harzig und Rachel «duckte» und prussikte sich die 45m wieder nach oben, um den Knoten auch ganz brav unter die Kante zu positionieren; der australische Sandstein hat ja echt tierisch viel Reibung, der Knoten hing an einem winzigen Ecklein … Mit einer schönen organgenen Wand und dannach einer typischen Blue-Mountains Kante war die erste SL (6b+/6c) schnell geklettert. Die nächste war bloss 6a+, aber irgendwie weniger nett. Im grossen Riss hat es auch nach Schlange gerochen, da ist sich Rachel ganz sicher. Gaby meinte, eher nach Guano und wollte reinklettern, um die Fledermäuse zu suchen. Das hat dann der andern wieder nicht gepasst. Zu guter Letzt ging es mit einer 5b steil durch den Kamin ins Dach und dann ins Schlusswändli und schon war die Route fertig und wir wieder sicher oben. Dass wir nur während des Abseilens Sonne hatten, ist ja wohl klar …
Also ging es am Nachmittag noch ins Gebiet Zag Crag, wo es sonnig war. Dort lernten wir uns dann noch richtig fürchten. Mit wenigen unglücklich gesetzten BH und krumbligem Fels (choss), wars dann eher wie auf Eiern tanzen und ganz wenig atmen. Dabei war es, obwohl an der Sonne, immer noch schwer kalt (fand Rachel, wegen dem Wind; Gaby hat Blut und Wasser geschwitzt). Drum liessen wir es dann auch nach wenigen Routen sein und gönnten uns zum Znacht Feuer, Fleisch und Bier und liessen uns von Studis der Militär-Akademie in Canberra zum Cider einladen.
Da wir schon da waren (wunderschöner Gratis-Zeltplatz am Mount York) machten wir uns am Morgen an den Abstieg von fünf Minuten an den Sunnyside Crag, denn heute wollten wir nichts falsch machen und uns wirklich an der Sonne aufwärmen. Ausserdem wollten wir uns in der zweiten Disziplin vervollkommnen, die es in den BM zu beherrschen gilt, dem Trad-Klettern (für nicht Kletterer: Trad steht für Traditional Climbing, also Klettern ohne Bohrhaken, heute auch Clean Climbing genannt, obwohl die Traditionalisten schon auch mal zu Hammer und Haken greifen, wenns sein muss. Aber v.a. geht um das Selberlegen von Zwischensicherungen mit Friends und Keilen aus der Kletterposition). Waghalsig stiegen wir in einen 5er Riss ein und legten Friend um Friend, Keil um Keil. Kein Problem. Also muss etwas schwierigeres her. Und so kletterten wir Route um Route mit und ohne Bolts und Carrots zwischendrin sowie eigenen Absicherungen, bis die Haut und die Füsse nichts mehr hergaben. So waren wir gut vorbereitet für den nächsten Tag.
BBB (Bunny Bucket Butress) 6a+ mit gut 250m und 9 SL eine der längeren (Sport-)Routen in den Blueys. Nach intensiven Führerstudium für Zustieg und der Abseilerei (da sollte frau sich lieber nicht vertun, und die Infos waren leider verteilt auf ungefähr sieben Routenbeschriebe und drei Fotos), machten wir uns an den 40-minütigen Zustieg zur Abseilstelle, alles tipptopp soweit. Immer schön den Knoten über die Kante legend (wir sind ja lernfähig) waren wir auch schnell unten und die Route war schnell gefunden.
Ohne Schlangengeruch und andere Animositäten in Büschen, Bäumen und Rissen waren die ersten 6 SL zügig geklettert und wir standen unter dem Dach vor der Gipfelwand. Links über einefachen, aber minderwertigen Fels (Choss) querend erreicht frau die Headwall und die hat es in sich. Senkrecht bis leicht überhängend, Eisenbänder (wie Chickenheads aber eben keine Knubel, sondern Bänder) wie ein ungeordnetes Fischernetz über die ganze Wand geworfen. Einmal dreissig und weils so schön ist grad nochmal 40Meter lang die zweitletzte Seillänge. Das Grinsen beim Klettern dehnt sich aus bis in die Zehen.
Ich bin ja eigentlich froh, das hier nach dem Klettern kein Abstieg nötig ist, aber die Tour zurück zum Auto durch die heisse Pampa hat uns dann gar gekocht. Jetzt war es uns zu heiss, also haben wir als nächstes Gebiet für Rachel den Freezer ausgesucht (Gaby brauchte schon wieder einen Ruhetag. Der Zustieg war so ein Auf- und Ab und Hin und Her (RTFM! Ruhetag?). Und Heiss. Das Gebiet war aber Klasse. Die Routen steil und nett (Acherli) bewertet, bis auf die Lactitoc 26 (7b+) … Da war Rachel aber so gar nicht vorbereitet für einen Paradigmenwechsel. Boulderiger Einstieg, dann Plattenstelle mit grosszügigen Hakenabständen und dann Ausdauer mit eingestreuten Einzelzügen auf gut 20 Meter in gleichmässiger Steilheit. Schade, hats nicht geklappt.

































































